A&W Root Beer

Okay, heute heißt es mal „Kill your darlings“. Bis jetzt war ich mit den von mir getesteten Getränken immer auf der sicheren Seite geblieben. Soll heißen, ich kannte sie, oder wußte zumindest, dass mich nichts schlimmes erwartet. Das soll heute anders werden!
Zum initialisieren dieser geschmacklichen Grenzerfahrung habe ich mir eine Dose A&W Root Beer (US Import) bestellt, die nun verköstigt werden will.

Frühere Erfahrungen mit diesem Erzeugnis sind vorhanden und waren leider von keiner positiven Natur: Während meiner vergangenen USA-Aufenthalte habe ich Root Beer (es war sogar immer A&W) mehrmals gekostet, doch um ehrlich zu sein, hab ich seinerzeit nicht mal die Dose leeren können – und ich kann nicht behaupten, dass mir dies oft mit Lebensmitteln passiert.

Ein kleiner Exkurs zum Thema ‚Root Beer‘: Dieses ist ein alkoholfreies Getränk, das in den USA auf eine lange Tradition bis in die Kolonialzeit zurückblickt und ab den 1870er gewerbsmäßig erzeugt wurde. Es ist dabei nicht mit dem hiesigen Malzbier zu vergleichen, sondern basierte ursprünglich auf der Wurzelrinde des Sassafrasbaumes. Heute wird jedoch aus gesundheitlichen Gründen nur noch künstliches Sassafras-Aroma verwendet.

So, nun sei der Objektivität halber meine Erfahrungen mit dem Produkt aus meinem geschmacklichen Langzeitgedächtnis getilgt und völlig unbefangen öffne ich die eiskalte 12 FL OT (355 mL) Dose: Es knackt hell und die Öffnung knistert mich einladend an. Der Geruchstest lässt jedoch augenblicklich „Medizinschrank“-Assoziationen in mir wach werden. Der ersten Schluck folgt und nachdem sich das Sprudeln der reich zugesetzten Kohlensäure etwas legt, versuche ich das Geschmackserlebnis zu verarbeiten. Ich kann hier leider nur mit  Vergleichen arbeiten die dem Limonaden-Spektrum etwas fremd sind, da ich hier nicht auf natürliche oder gängige Geschmacksnuancen treffe (ausgenommen einem Hauch Vanille, der aber auch auf der Dose propagiert wird: ‚Made with AGED VANILLA‘). Der Rest ist irgendwie eine Mischung aus Hustensaft und antibakterieller Mundspülung. Wobei sich der Geschmack während des Trinkens und nach dem Abgang recht stark unterscheidet von Hustensaft zu Mundspülung hin.

Nach der Hälfte steige ich aufs Glas um und vor mir steht ein dunkelbraune Flüssigkeit mit hellem Schaum, der sich jedoch schnell auflöst – Es sieht aus wie eine Cola. Ich trinke weiter und stelle nun fest, dass das ganze wirklich sehr süß ist. Dies ist denke ich auch das, was meine Geschmacksnerven an A&W Root Beer so irritiert: Die Kombination aus Kräuterlimonade und Syrup-artiger Süße. Ich trinke tapfer weiter und habe nun mein erstes Root Beer KOMPLETT ausgetrunken und kleinwenig Stolz erfüllt mich!

Um es kurz zu machen: Ich bin nach wie vor kein Fan von A&W Root Beer. Dennoch irritiert mich dieses Getränk und ich kann es nicht einfach bei „Naja, halt nicht mein Fall“ belassen. Es verhält sich nämlich so, dass es fast NIEMANDEN in meinem Bekanntenkreis gibt, der Root Beer mag. Doch all die, die es mögen, sind aufgewachsen oder leben in den USA (Diese Gruppe von Menschen liebt Root Beer mehr oder weniger ausnahmslos). Da stellt sich doch die Frage: Ist es vielleicht nur eine Frage der Gewöhnung, wie so oft bei Nahrungsmitteln?

Ich denke ich bin noch nicht ganz fertig mit diesem Getränk und werde dieser Frage in Zukunft versuchen näher auf den Grund zu gehen. Das habe ich hier und jetzt beschlossen. Währe doch gelacht, wenn Geschmacksnerven und der Eintrag in meinem Pass stärker sind als mein Wille zur uneingeschränkten Softdrink-Liebe.

Zutaten: CARBONATED WATER, HIGH FRUCTOSE CORN SYRUP, CARAMEL COLOR, SODIUM BENZOATE (PRESERVATIVE), NATURAL AND ARTIFICIAL FLAVORS.

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Eine Antwort zu A&W Root Beer

  1. Joris schreibt:

    Neulich genau die selbe Erfahrung gemacht 🙂
    Das Getränk wird hier in Berlin (zusammen mit anderen US-Snacks) bei Videoworld verkauft.
    „Antibakterielle Mundspülung“ trifft den Geschmack sehr präzise.
    Erstaunlich, dass anscheinend Millionen von US-Bürgern das Getränk in großen Mengen konsumieren, das ist wohl so wie mit Lakritz: muß man früh mit anfangen.

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